Am Morgen ging es nach dem Frühstücks-Einkauf am Bahnhof Beppu los. Zuerst wieder Richtung Fukuoka, diesmal stiegen wir eine Station vorher in Kokura aus. Nach 15 Minuten Wartezeit bestiegen wir einen Shinkansen nach Himeji. Dort machten wir eine Stunde Mittagspause und fuhren dann weitere zwei Stunden mit der Bimmelbahn nach Kinosaki. Auf der Strecke waren wieder hohe Berge zu sehen, während die Städte zu Dörfern wurden.

Nachmittags um 15 Uhr fielen wir in Kinosaki (城崎温泉) aus dem Zug und wurden am Ausgang des Bahnhofsgebäudes von einer netten Dame gefragt: ‚Tsuruya Ryokan?‘. Wir wunderten uns, woher sie das wußte, nickten aber und wurden daraufhin zu einem Bus geführt, in dem schon sechs Japaner saßen. Sie sagte dem Fahrer, wo er uns absetzten sollte und los ging die Fahrt durch die engen Straßen Kinosakis. Auf den ersten Eindruck erinnerte uns Kinosaki an Kurashiki und wir schauten uns zweifelnd an. Am Ryokan wurden wir vom, schon auf der Straße wartenden, Besitzer begrüßt. Nachdem er uns herein gebeten hatte, ging der die Pässe kopieren und wir wurden auf unser Zimmer geführt und bekamen den Begrüßungstee. Kurz darauf war der Besitzer wieder bei uns und erklärte uns auf Englisch, was uns in Kinosaki erwartete. Wir wurden auch darauf hingewiesen, dass wir die einzigen Gäste seinen, da in Japan die Schule wieder angefangen hat und in Kinosaki nun ‚off season‘ sei. An mir wurde auch sofort das korrekte Tragen des Yukata plus Kimono plus Überjacke demonstriert und wir wurden mit einem freudigen ‚Enjoy‘ immer wieder aufgefordert, die Onsen zu besuchen.

Nach anfänglicher Unsicherheit, wir waren ja noch nie im Kimono mit Holzsandalen draußen unterwegs gewesen, sagten wir uns: wenn nicht jetzt, wann dann. Also ausgezogen, japanische Montur an und raus. Vorher durchliefen wir noch die Sichtkontrolle des netten Besitzers und unsere Knoten im Obi wurden neu gemacht. Den Unterschied zwischen unseren Schleifen und seinen Schleifen haben wir leider nicht heraus gefunden. Auf dem Weg zum ersten Onsen stellten wir erleichtert fest, dass wirklich viele Leute (mehr Japaner, wir waren fast die einzigen Nichtasiaten) in Kimono und Holzsandalen durch die Straßen wanderten. Wir hatten uns zwar über die Benimmregeln bei einem Onsen-Besuch informiert, aber die erste Anwendung ist ja trotzdem spannend. Der einzige Wermutstropfen beim Onsen-Besuch sind leider die getrennten Bäder für Männer und Frauen. Wir sammelten unsere Erfahrungen also immer erst getrennt, bevor wir uns austauschen konnten. Am ersten Abend besuchten wir nur einen Onsen, den Goshono-Yu, und kehrten dann ins Ryokan zurück.


Eigentlich kostet jeder einzelne Onsen einen Eintritt zwischen ¥600-¥800. Als Übernachtungsgast in Kinosaki bekommt man aber von seinem Ryokan Freitickets in beliebiger Zahl, um die Onsen zu besuchen. Falls man länger als eine Nacht bleibt, bekommt man zusätzlich ein Ticket, das den Zutritt zwischen 10 und 15 Uhr gewährleistet. Denn in dieser Zeit ist normalerweise Bettenwechsel und alte bzw. neue Gäste können Freitickets in dieser Zeit nicht nutzen. Auch dient diese Regelung dazu, Onsen-Besucher, die nur auf Durchreise sind, zu erkennen. Da wir zwei Nächte in Kinosaki schliefen, kamen wir in den Genuss, dieses Zeitfenster mit wenig Onsen-Besuchern nutzen zu können. Wir können es nur empfehlen.

Am nächsten Morgen gab es um 8 Uhr Frühstück  bzw. sollte es geben. Pünktlich um Acht standen wir an der Rezeption, da es das Frühstück in einem anderen Zimmer geben sollte. Wir wurden etwas verdutzt angeschaut, dass wir so plötzlich Frühstück wollten. Uns ging ein Licht auf, dass es unumgänglich ist, morgens vor dem Frühstück einen Onsen zu besuchen. Wir hatten das eher als Empfehlung verstanden. Nachdem wir alle anwesenden Frauen (drei) aufgeschreckt hatten, bekamen wir unser Frühstück serviert. Zunächst gab es ‚western style‚, bevor es am nächsten Morgen ‚japanese style‚ geben sollte. Neben Toast, Salat, Yoghurt mit Früchten und Marmelade gab es noch Kaffee, Orangensaft, zwei Scheiben Schinken und ein Ei. Wir packten unsere Onsen-Beutelchen und machten uns auf Onsen-Tour.

Kinosaki hat ingesamt 7 Onsen, von denen 2 gerade geschlossen sind. Wir begannen mit dem am weitesten entfernten, dem Satono-Yu. Im Satono-Yu gibt es zwei Bereiche: einmal den Onsen im japanischen Stil und dann noch den einem romanischen Badehaus nachempfundenen Onsen. Diese beiden Bereiche werden täglich für Männer und Frauen getauscht. Weswegen wir diesen Onsen am nächsten Morgen vor dem Frühstück ein zweites Mal besuchten. Neben den typischen Becken mit heißem Wasser, gibt es im Satono-Yu auch Dampfsaunen (40°C, 42°C), eine finnische Sauna (80-90°C) und ein Außenbecken (rotemburo). Im japanischen Teil außerdem eine Pinguin-Sauna  (0°C) und ein Kaltwasserbecken (10°C). Auf dem Weg zum nächsten Onsen hielten wir kurz im Supermarkt, um ein paar Sushi zum mitnehmen zu kaufen. Auf einer der vielen Brücken über den Otani-Kanal setzten wir uns auf eine Bank und nahmen einen Happen zu uns. Als nächstes besuchten wir den Yanagi-Yu. Der Yanagi-Yu ist das kleinste Badehaus in Kinosaki. Ein Raum mit Duschen und einem kleinen Becken mit Wasser aus der heißen Quelle. Wenn man während des Badens nach oben blickt, kann man den hölzernen Dachstuhl sehen. Keine 20 Schritte weiter lädt das nächste Badehaus zu einem Besuch ein, das Ichino-Yu. Besonderheit des Ichino-Yu ist das Höhlenbad im Außenbereich.

Handlungsablauf während des Onsen-Besuchs:

  • eintreten, vor der Stufe aus den Holzsandalen schlüpfen
  • entweder werden diese von zwei Damen in Verwahrung genommen oder man schließt sie selbständig in ein kleines Schließfach ein, es geht barfuß weiter
  • optional: Einschließen der Wertsachen in extra Schließfächer (Photoapparat, Portemonnaie, …)
  • Betreten der richtigen Umkleide
  • ausziehen, alles bis auf das kleine Handtuch im Schrank lassen
  • den Badebereich betreten und auf eine Dusche zusteuern
  • auf das Bänkchen setzen
  • duschen, mit ordentlich Seife waschen (dabei das kleine Tuch benutzen, die Seife nicht direkt auf den Körper aufbringen) und viel Schaum produzieren
  • allen Schaum abduschen oder Wasser mit Hilfe der kleinen Schüssel über den Körper schütten
  • zum Schluss aufstehen, kurz abduschen, Bänkchen und Schüssel ebenfalls abduschen
  • Tuch mitnehmen, ein Becken aussuchen, das Tuch am Rand ablegen (oder auf dem Kopf, es darf jedenfalls auf keinen Fall mit dem Wasser in Berührung kommen)
  • bei Beckenwechsel das Tuch mitnehmen, kann auch benutzt werden, um wenigstens ein bisschen Blöße zu bedecken
  • zum Schluss noch einmal abduschen
  • mit dem Tuch ein wenig ‚abtrocknen‘, Umkleide betreten, wieder anziehen
  • alle Sachen wieder mitnehmen, Schuhe vor der Stufe anziehen, Onsen verlassen

So jedenfalls haben wir es gemacht und wurden nicht zurechtgewiesen. Nachmittags gegen 14:30 Uhr waren wir im Ryokan für eine Onsen-Pause. In unserer gewohnten Kleidung besichtigten wir den Onsen-Ji, gingen einkaufen und machten Photos. Zurück ging es an die Eintragerstellung, bevor wir zu einer zweiten Onsen-Tour aufbrachen. Zuerst besuchten wir den verbliebenen Mandara-Yu, einen im traditionellen Stil gehaltenen Onsen. Nach einem zweiten Besuch im Goshono-Yu fielen wir im Ryokan ins Bett bzw. auf den Futon.

Am Morgen der Abreise besuchten wir vor dem Frühstück in aller Frühe den Satono-Yu ein zweites Mal, damit jeder von uns beide Bereiche sehen konnte. Danach gab es Frühstück im japanischen Stil: Fisch, Reis, Eier, Suppe, Tee und eingelegtes Gemüse. Nach dem Begleichen der Rechnung wurden wir sogar noch zum Bahnhof chauffiert. Um halb Zehn fuhren wir im Zug nach Shin-Osaka (3 Stunden). Dort stiegen wir in den Shinkansen um, der uns zurück nach Tokyo brachte (3 Stunden).

Fazit Kinosaki-Onsen: Für ein echtes, authentisches Onsen-Erlebnis der beste Ort.

Ryokan Kinosaki-Onsen:

  • Tsuruya Ryokan
  • Doppelzimmer im japanischen Stil ¥14.700 pro Nacht (inklusive europäischem/japanischem Frühstück)
  • dazu kommt eine Hot-Spring-Tax von ¥340 pro Erwachsenem
  • 15 Minuten Fußweg vom Bahnhof, es fährt aber ein kostenloser Ryokan-Bus
  • inklusive Handtücher, Yukata, Kimono, Zahnbürste & -pasta, Teeset
  • privates Waschbecken und private Toilette, Fernseher, Kühlschrank
  • alle sieben Onsen sind zu Fuß bequem erreichbar
  • sehr netter, englisch-sprechender Besitzer