Japan :: Takayama

Der Weg nach Takayama führte uns über Nagoya, laut Lonely Planet eine Stadt, die man nicht übergehen sollte. Also packten wir morgens in Tokyo unsere Rucksäcke und fuhren mit der U-Bahn zum Hauptbahnhof. Dort suchten wir unseren Weg zum richtigen Gleis. Auch Bahnfahren ist in Japan nicht schwierig. Bei Erhalt des Japan Rail Pass nahmen wir gleich eine Übersicht aller Fahrpläne mit und konnten so schon im Hotel schauen, mit welchem Zug wir fahren. Da Zugfahren in Japan sehr beliebt und viel genutzt wird, fahren wirklich viele Züge. Deswegen hatten wir auch keinen Zeitdruck in dem Sinne, dass der nächste Zug erst wieder in zwei Stunden gefahren wäre.

Den ‚ersten‘ unserer präferierten Züge haben wir prompt auch verpasst, dafür saßen wir rechtzeitig im zweiten. Die Züge werden, so wie in Deutschland, unterteilt in erste und zweite Klasse, zusätzlich aber noch in Abteile mit reservierten und nicht-reservierten Sitzen. An Wochenenden und zu nationalen Feiertagen wird es dringend empfohlen, Plätze zu reservieren, denn der Zug ist dann Verkehrsmittel Nr. 1. Für Besitzer des Japan Rail Passes kostet eine Sitzreservierung nichts zusätzlich, man geht zu einem JR-Schalter und bekommt eine Karte mit der Sitznummer ausgehändigt. Von Tokyo fuhren wir in 2:50h nach Nagoya.

Nagoya (名古屋市) ist mit 2,2 Mio Einwohnern die viertgrößte Stadt Japans und ein wichtiges Industriezentrum für Fahrzeug-/Maschinenbau, Elektronik und Keramik. Bereits seit seiner Entstehung entwickelte sich Nagoya zum kommerziellen, finanziellen und industriellen Zentrum und damit verbunden zum Knotenpunkt für Verkehr und Schifffahrt. Im zweiten Weltkrieg wurden in Nagoya Zero-Fighter produziert, was zu einer massiven Bombardierung durch die Allierten führte. Der entstandene Schaden an der Stadt ermöglichte eine teilweise Neuplanung, weswegen Nagoya heute über breite Straßen, Wolkenkratzer und Grünflächen verfügt. Auch heute zählt Nagoya und die umliegenden Präfekturen wieder zu den weltweit stärksten Wirtschaftsregionen. Der Bahnhof stand größentechnisch dem in Tokyo in nichts nach. Viele Menschen waren unterwegs, da der Bahnhof an sich ein eigenes Stadtviertel bildet. Wir brauchten drei Anläufe, um unsere Rucksäcke in Schließfächern zu verstauen und kauften uns dann erst einmal Mittagessen (wir hatten kein Frühstück), das aus zwei typischen Bentō-Boxen (弁当) bestand.

Bentō-Box:

  • morgens von der Mutter oder der Ehefrau hergerichtete Box mit Speisen, die in verschiedene kleine Fächer unterteilt ist
  • bezeichnet nicht die Art von Speisen, sondern nur die Darreichungsform
  • meistens sind Reis, Fisch-/Fleischstückchen, gekochte oder eingelegte Beilagen (Gemüse oder Pilze) enthalten
  • können auch auf Bahnsteigen, in Einkaufszentren oder 24-h-Geschäften erworben werden
  • an jedem japanischen Schnellzug-Bahnhof werden Bentōs verkauft, die es nur an diesem Bahnhof gibt

Nach unserem Mittag in der Sonne, liefen wir Richtung Innenstadt Nagoya. Eigentlich wollten wir außer der Burg Nagoya (名古屋城) noch das Sakae-Viertel und das Nishiki-Viertel ansehen, aber mit zwei Stunden als Zeitrahmen, blieb nur die Burgbesichtigung übrig. Der Eintritt betrug ¥500 pro Person. Die Burganlage mit Parks, Wachtürmen und Teehäusern ist wunderschön zum schlendern geeignet. Die Burg selbst kann man ebenfalls besichtigen und auf 5 Stockwerken Exponate zu unterschiedlichen Themen (Aufbau der Burg, Krieger, tägliches Leben) bestaunen. Von der Aussichtsplattform hat man einen 360° Blick über Nagoya. Leider wurde auf dem Gelände auch viel gebaut bzw. wieder aufgebaut. Denn die Burg ist im zweiten Weltkrieg komplett niedergebrannt und wurde 1959 durch eine Kopie aus Stahlbeton ersetzt, was den Reiz etwas schmälert. Zurück am Bahnhof schulterten wir unsere Rucksäcke und setzten uns in den Zug nach Takayama.

Nach einer weiteren Zugfahrt von 2:20h hatten wir Takayama (高山市) erreicht. Takayama liegt in der Hida-Region, welche auch die Japanischen Alpen umfasst. Takayama selbst liegt aber nur auf 573m in einem Talkessel. Mit 95.904 Einwohnern auf einer Fläche von ca. 2200qkm ist Takayama die flächenmäßig größte Gemeinde Japans. Die Zugfahrt nach Takayama bot sehr schöne Ausblicke in Täler, auf Berge und klare Flüsse. Die Züge in Japan bieten übrigens allesamt sehr viel Beinfreiheit, die Sitze sind verstellbar und man hat ein Tischchen. Für manche Zugreisende von großem Vorteil: die Sitze sind alle in Fahrtrichtung ausgerichtet, also kein überlegen beim Einsteigen, welche Sitzreihe man wählt, um nicht gegen die Fahrtrichtung sitzen zu müssen.

Nach einigem Herumirren in Takayamas Straßen fanden wir auch unsere Übernachtungsmöglichkeit, das Zenko-Ji-Temple-Inn. Ja, ihr habt richtig gelesen, wir schlafen in einem Tempel. Am Eingang wurden wir von einem Herrn höheren Alters begrüßt, welcher uns herumführte und schließlich unser Zimmer zeigte. Unsere ersten Nächte in einem Tatami-Zimmer auf Futons. Ansonsten ist das Temple Inn ganz im Jugendherberge-Stil gehalten: Gemeinschaftsküche, Gemeinschaftsduschen, Gemeinschaftstoiletten und Gemeinschaftsraum mit Fernseher. Da die Temperaturen hier in den Japanischen Alpen etwas kälter sind, haben wir elektrische Heizdecken und einen Heißluftwärmer. Die Zimmer sind um einen schönen Innenhof mit Garten angelegt und am Eingang muss man auf japanische Hausschuhe wechseln.

Am selben Abend machten wir uns auf die übliche Erkundungstour und entdeckten die ersten kleinen Gässchen. Da wir nach Abwechslung vom japanischen Essen suchten, richteten wir uns nach der Empfehlung vom Lonely Planet und gingen in ein mexikanisches Restaurant (ein sehr kleines mit ca. 12 Plätzen) namens Chapala. Es gab sehr leckere Quesadillas, Burritos, Nachos und einen Margarita für ca. 32€. Danach fielen wir ins Bett, bzw. auf die gewärmten Futons. Während der Nacht regnete es in Strömen, was aber nur ein angenehm beruhigendes Plätschern auf dem Dach des Tempels war.

Getränke, Snacks, Süßigkeiten u.ä. sind übrigens schwer zu bekommen. Supermärkte wie in Deutschland gibt es hier nicht. Die Supermärkte sind klein und bestehen zur Hälfte aus Drogerieartikeln und Zeitungen. Die andere Hälfte sind Fertiggerichte (mit heißem Wasser zuzubereiten), Getränke und Süßigkeiten aller Art. Die Getränke sind jedoch meist teurer als an den omnipräsenten Getränkeautomaten und Süßigkeiten kaufen ähnelt manchmal dem Russisch-Roulette. Obst, Gemüse oder Konserven desselben werden gar nicht angeboten oder ein Apfel kostet ¥200 (ca. 1,60€). Getränke kaufen wir meist an den Automaten in PET- oder Aluminium-Flaschen, Wasser kostet ca. ¥120 (0,95€), Cola und Saft ¥150 (1,15€).

Wir schliefen am nächsten Morgen etwas länger (bis ca. 08:30 Uhr) und machten uns dann auf zum größeren, der beiden täglichen stattfindenden Morgen-Markt (Miya-Gawa-Markt). Unser erster Tempel und Schreine an diesem Tag war der Sakurayama Hachimangu Schrein (飛騨高山 桜山八幡宮) von dem aus wir den Kitayama Park durchqueren wollten, jedoch den Weg nicht fanden (das Norden-Problem). Da es einen weiteren Wanderweg in Takayama gibt, ließen wir nach einer Stunde Suche den Kityama Park Kitayama Park sein und fanden sehr schnell den Eikyo-Ji Tempel. Entlang des Higashiyama Wanderweges besichtigten wir knapp 20 Tempel und Schreine. Im Shiroyama Park bekamen wir auch die ‚Ruinen‘ der Takayama Burg zu sehen. Wobei wir die Bezeichnung Ruinen als übertrieben empfinden, es standen lediglich noch ein paar Befestigungsmauern, da alle Häuser und Anlagen bei einem Brand zerstört wurden (ist ja schließlich alles aus Holz). Die Aussicht über Takayama ist allerdings sehr schön und man kann rundum über die Landschaft blicken und die Japanischen Alpen sehen. Gegen 13 Uhr waren wir wieder in den kleinen Gassen angekommen, welche nun voll mit Touristen waren. Wir probierten die örtliche Spezialität (gegrillte Reisbällchen am Spieß, eingelegt in Soja-Sauce), eine Art Reiskeks (auch mit Soja-Sauce) und fanden schließlich das Ebisu-Honten (wieder eine Empfehlung des LP). Es gab teuchi soba (手打ちそば – handgemachte Buchweizennudeln) einmal mit Pilzen und einmal mit Gemüse der Region. Für eine kleine Mittagspause und zum Aufwärmen gingen wir zurück in unseren Tempel.

Soba

  • dünne, braun-graue, gekochte Nudeln aus Buchweizen
  • heiss oder kalt, in der Brühe oder separat
  • mit verschiedenen Beilagen oder Gewürzen
  • die lange Form der Soba steht für ein langes Leben
  • um die Finanzen des kommenden Jahres positiv zu beeinflussen, werden Soba als letztes Gericht im alten Jahr gegessen und sollten vor Anbruch des neues Jahres aufgegessen sein

Am späten Nachmittag machten wir uns auf einen letzten Gang durch Takayama, schauten noch bei der La Viennioserie de Nicolas (Konditorei mit französischem Besitzer) vorbei, kauften ein Baguette und zwei kleine Kuchen, liefen noch einmal zum Sakurayama Hachimangu Schrein, um Abendphotos zu machen und kamen durchgefroren wieder an. In der Küche probierten wir unsere japanischen Fertigessen und sie schmeckten wie zu Hause. Grüner Tee wärmte uns weiter auf und wir widmeten uns dem neuen Eintrag.

Morgen vormittag fahren wir mit dem Zug weiter nach Kyoto.

Hotel

  • Zenko-Ji-Temple-Inn im japanischen Stil
  • private room für Â¥3000 pro Nacht und pro Person (auch Gruppenzimmer)
  • 10 Minuten Fußweg vom Bahnhof, sehr zentrumsnah
  • netter, englisch-sprechender Verwalter, Internet 30min/Â¥100 (freies W-LAN)
  • Küche, Dusche, Toiletten, Aufenthaltsraum in gemeinsamer Nutzung








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