Japan :: Hiroshima

Nach einem Frühstück in unserem Hotel stiegen wir in den Zug und erreichten nach 20 Minuten um 9 Uhr in Okayama (岡山市). Um diese Uhrzeit sind zum Glück auch die Gepäckfächer noch nicht hoch-frequentiert und wir wurden unsere Rucksäcke gleich beim Ersten los. Im Sonnenschein gingen wir die Motomato-Odori entlang Richtung der Burg Okayama (岡山城).

Am Sonntag Morgen war in Okayama (630.000 Einwohner) noch nichts los und auch die Geschäften hatten noch geschlossen. So kamen wir gut voran und waren nach 20 Minuten an unserem Ziel angekommen. Wie schon am Ende des letzten Eintrags erwähnt, ist die Burg im Gegensatz zur Himeji-Jō in schwarz gehalten und bekam von den Einheimischen den Namen U-Jō (Krähenburg). Leider wurde auch diese Burg 1945 durch Bomben zerstört und im Jahr 1966 wieder aufgebaut. Die Kirschbäume auf dem Burggelände trugen schon etwas mehr Blüten, als wir bis jetzt von den Kirschbäumen gewohnt waren und verschönerten das Gesamtbild.

Da die Sonne draußen lockte, sparten wir uns eine Besichtigung des Hauptturms (Eintritt ¥800pP/Gelände frei) und besuchten den nebenan liegenden Kōraku-en ( 後楽園). Der Park wurde im Jahr 1700 fertig gestellt und gehört zu Japans drei schönsten Gärten. Wir traten durch den Südeingang ein (Eintritt ¥350pP) und liefen unsere Runde gegen den Uhrzeigersinn. Weite Rasenflächen in der Mitte des Gartens werden durch Teiche, Teehäuser und Haine aufgelockert. Eine kleine Teeplantage, ein Kirschbaum- und ein Pflaumenbaumwäldchen, sowie weitere Bäume, Blumen und Sträucher machen den Garten zu Recht zu einem der drei schönsten. Auf dem Rückweg gönnten wir uns ein kleines zweites Doughnut-Frühstück, bevor wir wieder in den Zug stiegen, diesmal nach Hiroshima.

Im Laufe des Tages gewannen die Wolken wieder die Ãœberhand, es blieb aber trotzdem angenehm warm. Nachdem wir mit dem Bus zum Hotel gefahren waren und eingecheckt hatten, war es gegen 15 Uhr. Wir beschlossen, zum Friedenspark zu laufen und uns einen ersten Eindruck von Hiroshima (広島市) zu verschaffen. Mit ca. 1,15 Mio Einwohnern ist Hiroshima eine offene, blühende Stadt, die ihr Trauma vom 6. August 1945 überwunden hat. Hiroshima bedeutet wörtlich ‚breite Insel‘ und ist auf einer Reihe sandiger Inseln erbaut. Im Jahr 1589 ließ der Feudalherr Mori Terumoto eine Burg errichten und gab der Stadt ihren Namen. Der Friedenspark (Peace Memorial Park) wurde errichtet, um das Ereignis des ersten Atombomben-Abwurfs nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. In der Dämmerung werden die verschiedenen Denkmäler beleuchtet und die Flamme des Friedens brennt zwischen Atombombendom und Kenotaph so lange, bis es keine atomaren Waffen mehr auf der Welt gibt. Da wir morgens früh aus dem Bett fielen, endete der Abend ebenso etwas früher.

Unseren Tag in Hiroshima begannen wir mit dem Besuch des Friedensgedächtnis-Museums (Peace Memorial Museum, Eintritt Â¥50pP). Während des Besuchs erfährt man alles über die Ereignisse vor, während und nach dem Abwurf der Atombombe. Eindrucksvoll festgehalten werden die dokumentierten Geschehnisse in Bildern, Photos, originalgetreuen Modellen, Kurzfilmen u.ä. Besonders die um 8:15 Uhr stehengebliebene Armbanduhr ist ein schlichtes, aber beeindruckendes Ausstellungsstück. Bei blauem Himmel und Sonne wanderten wir durch den Friedenspark (平和記念公園). Wir sahen den Kenotaphen, in welchem die Namen aller Opfer aufbewahrt werden.Der Atombombendom (原爆ドーム) ist eine Unesco-Welterbestätte und das Symbol für die Zerstörung Hiroshimas. Vor Abwurf der Atombombe, die fast direkt über dem Gebäude explodierte, war er Sitz der Industrie- und Handelskammer. Im Park steht ebenso das Kinderdenkmal, entstanden nach einer Idee der zehnjährigen Sadako Sasaki. Als sie von ihrer Leukämie-Erkrankung erfuhr, begann sie Papierkraniche zu falten, denn nach japanischem Brauch wird mit dem tausendsten Kranich ein Wunsch erfüllt. Nach ihrem Vorbild werden jedes Jahr neue Kraniche gefaltet und um das Kinderdenkmal in Boxen aufgehangen. Das Denkmal für die koreanischen Opfer erinnert daran, dass mehr als jedes zehnte Atombombenopfer Koreaner war. Unser nächstes Ziel war die Burg von Hiroshima, genannt die ‚Karpfenburg‚ (広島城). Auch diese Burg wurde wieder aufgebaut und mit Beton verstärkt (Gelände frei, Hauptturm Â¥320pP). Die Kirschblüte hat uns nun endlich erreicht (oder wir sie) und wir können die Begeisterung der Japaner für dieses Naturschauspiel durchaus nachempfinden. Ãœberall sitzen junge und alte Menschen auf blauen Plastikplanen bei Essen, Getränken und Gesprächen zusammen. Den weiteren Nachmittag verbrachten wir in den Straßen Hiroshimas mit schlendern, Schaufenster-Shopping, Kaffee-trinken und Sonne-genießen. Auf dem Rückweg zum Hotel besuchten wir noch die Friedenshalle (Eintritt frei), ebenfalls im Friedenspark. In dieser Gedenkstätte werden Verzeichnisse mit Namen und Photos der Opfer, sowie Augenzeugenberichte aufbewahrt.

Kurz vor dem Ausgang wurden wir von einem älteren Herrn um ein paar Minuten unserer Zeit gebeten. Er erzählte uns seine Geschichte. An dem Tag, als die Atombombe über Hiroshima abgeworfen wurde, war er mit seiner Großmutter, Mutter und seinen zwei Schwestern 15km außerhalb der Stadt. Sein Vater ging wie jeden Morgen um 8 Uhr im Stadtzentrum auf Arbeit. Während der Detonation der Bombe war er schutzlos ihrer Wirkung ausgeliefert und wurde trotz Bemühungen seiner Frau nicht wiedergefunden. Der Rest der Familie überlebte den Bombenabwurf. Seine Mutter erkrankte später an Leukämie, wurde aber auf Grund glücklicher Fügungen noch 87 Jahre alt und starb eines natürlichen Todes. Unser Erzähler und seine zwei Schwestern studierten Sprachen und heute erzählt der alte Mann seine Geschichte.

Nach diesem würdigen Abschluss gönnten wir uns ein Abendessen im Otis! schräg gegenüber unseres Hotels. Es hab mal wieder Nachos, Enchiladas und Quesadillas. Den Abend verbrachten wir mit Eintraggestaltung. Morgen geht es nicht sehr viel weiter. Auf uns wartet die Insel Miyajima, 25km entfernt von Hiroshima.

Hotel Hiroshima:

  • Aster Plaza International Youth House
  • Special Twin Room für Â¥4030 pro Nacht/pro Person
  • Netzwerkkabel im Zimmer, privates Bad, private Toilette
  • 20 Minuten Fußweg vom Hauptbahnhof, 10 Minuten per Bus (Â¥210pP)
  • 5 Minuten Fußweg zum Friedenspark
  • Zimmer im 8. und 9. Stockwerk
  • Münz-Waschmaschinen und Trockner vorhanden, Frühstück möglich
  • inklusive Handtücher, Wasserkocher und Kühlschrank im Zimmer
  • englisch-sprechendes Personal






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