Japan :: Tokyo

Nach einem ruhigen, langen Flug sind wir gut am Sonntagmorgen (Ortszeit) in Tokyo (東京) gelandet. Der Flug gegen die Rotation der Erde führte uns von Frankfurt Richtung Ostsee über Russland und das Japanische Meer zu unserem ersten Ziel. Angekommen, hieß es die Uhren 8 Stunden auf die GMT +9 vorzustellen (Deutschland hat Greenwich Mean Time +1).

Auch bei der Einreise nach Japan werden inzwischen die Fingerabdrücke genommen und ein schickes Photo gemacht. Von Englisch keine Spur. Das kam erst wieder im Büro der Bahngesellschaft, in dem wir unsere Coupons gegen ‚echte‘ Japan Rail Pässe eintauschten. Die Dame beschrieb uns dann gleich noch den Weg zum Hotel und reservierte Plätze im Zug vom Internationalen Flughafen Narita zum Hauptbahnhof Tokyo. Bei über einer Stunde Fahrt und einem vollen Zug war das nur von Vorteil. Der Nachtflug zeigte erste Auswirkungen: wir fühlten uns leicht müde. Am Hauptbahnhof stiegen wir wie geplant aus und wollten zum Hotel laufen. Wir sind gut zu Fuß (immernoch ;) ) und am Anfang klappte das auch sehr gut. Das Wetter war sonnig und warm, mit einer leichten Brise. Nach zehn Minuten mit jeweils 11kg auf dem Rücken hätten wir uns eine etwas stärkere Brise gewünscht… also Pullis aus und weiter. Die Orientierung fiel doch etwas schwieriger als geplant und wir griffen sofort auf unseren Notnagel, den Kompass, zurück. Mit seiner Hilfe kamen wir nach einer dreiviertel Stunde am Hotel an. Da es inzwischen gegen 13 Uhr war, durften wir auch gleich unser Zimmer im typischen Jugendherberge-Stil beziehen.

Generell ist die Navigation in Tokyo sehr einfach, da jede festinstallierte Stadtkarte (und davon gibt es ca. alle 400m eine) schon in die Richtung des Straßenlayouts gedreht ist – Probleme treten nur auf, wenn man immer vergisst, dass dann Norden nicht mehr ‚oben‘ ist =). Ohne die schweren Rucksäcke machten wir uns auf eine erste Erkundungstour. Wir schlenderten durch die Südspitze des Kaiserpalast-Parks, den Kitanomaru-Park. Am Eingang bekommt man ein kleines Kunststoffkärtchen, welches man beim Verlassen des Parks wieder abgeben muss. Die Hauptstraße um den Park war gesperrt und bevölkert von Radfahrern, Läufern, und Spaziergängern. Die Ampelzeichen behielten trotz allem ihre Gültigkeit und jeder, der bei Rot über die Ampel gehen wollte, wurde zusammengepfiffen. Da wir noch Bargeld brauchten, um unser Zimmer zu bezahlen, gingen wir noch eine Runde durch das Viertel und nach abschließender Dusche fielen wir gegen 19 Uhr ins Bett.

Der nächste Tag begann früh. Sehr früh. Um 5 Uhr klingelte der Wecker, denn wir wollten auf den Tsukiji-Fischmarkt (築地市場) im Stadtbezirk Chūō-Ku (中央区), um bei der Thunfisch-Versteigerung zuzusehen, welche schon so oft in TV-Reportagen porträtiert wurde. Nach U-Bahn-Fahrt und kurzem Fußweg waren wir auch schon mittendrin im Gewimmel.

Das tokyoer U-Bahn System ist mit 13 Linien um einiges größer als das, was man aus München oder Berlin kennt. Dennoch fällt es einem sehr leicht, sich zurechtzufinden. Tickets kauft man an einem Automaten (einfach das Günstigste) und zahlt am Zielort (wieder an einem Automaten) den Fehlbetrag einfach nach. An U-Bahn-Knotenpunkten sind die ‚Laufwege‘ auf dem Boden markiert, womit man ohne Umwege an seine Anschlussbahn gelangt – einziges Problem für uns Deutsche: der ‚Linksverkehr‘, der sich auch beim Laufen durchsetzt.

Am Eingang des Tsukiji fragten wir uns kurz, ob wir überhaupt einfach das Gelände betreten dürften, denn es sah so gar nicht besucherfreundlich aus… doch wir nahmen unseren ganzen schon so früh am Morgen verfügbaren Mut zusammen. Die Erlebnisse auf dem Fischmarkt entschädigten voll und ganz dafür. Man sollte die ganze Zeit die Augen offen halten, um nicht überfahren oder angerempelt zu werden oder im Weg herumzustehen. Natürlich ist es auch nicht ratsam, die besten Klamotten anzuziehen oder in Gruppen von mehr als 5 Leuten umherzulaufen (es war schon zu zweit schwierig genug). Die in den Reportagen aufgenommenen Bilder und die Geschäftigkeit stimmen voll und ganz, nur erlebt man das Ganze vor Ort viel intensiver: der Geruch, das schnelle und doch sehr zielorientierte Treiben, überall Kartons und Styroporkisten, große Schneidemaschinen für das Zerteilen des gefrorenen Thunfischs, Wasserbecken mit Krabben und Krebsen, kein Gang breiter als nötig, kleine Kabüffchen in denen die Frauen mit Kassen sitzen, Männer in Gummistiefeln auf Mini-Lastwagen, Fische, die ich noch nie gesehen habe und keine Zeit, um stehenzubleiben und das Ganze in Ruhe aufzunehmen. Nach dem Fischmarkt schlenderten wir nebenan durch die Uogashi-Yokocho-Dori, um angemessen zu frühstücken. Um 8 Uhr morgens gab es frisches Sushi mit grünem Tee. Es schmeckte wie zu Hause, nur das hier in Japan mehr Fisch auf weniger Reis serviert wird und man ohne Schuhe an einem halbhohen Tisch sitzt.

Ebenfalls im Stadtteil Chūō-Ku besichtigten wir frisch gestärkt den Tsukiji-Hongan-Ji, liefen am Kabukiza-Theater vorbei, vor dem sich schon eine Schlange von Leuten gebildet hatte, die Karten für die Vorstellung erwerben wollten und kamen bald im Stadtviertel Ginza (銀座) an, berühmt für seine Einkaufsmöglichkeiten. Wir liefen durch Straßen und Gassen und ließen uns beeindrucken. Vor allem von den Japanern. Japanische Frauen sind (gefühlt) nur in High Heels, top-geschminkt und Business-Look unterwegs. Die Männer tragen alle schwarze Anzüge, weiße Hemden und Handtasche. Da es erst 10 Uhr war, steuerten wir den Garten des Kaiserpalastes im Stadtbezirk Chiyoda-Ku (千代田区) an. Den Kaiserpalast (皇居) direkt kann man nicht ohne Anmeldung besichtigen, nur den umgebenden Park und eine Brücke, von der man einen guten Blick auf den Palast hat. Auf dem Rückweg besichtigten wir noch den Hibiya-Park, der etwas mehr den Vorstellungen von einem japanischen Park entsprach als der gestrige Kitanomaru-Park. Endlich hatte das Sony-Building (ソニービル) seine Pforten geöffnet und auf 5 Stockwerken kann man die neuesten Errungenschaften ansehen und auch ein wenig Playstation spielen.

Den zweiten Teil des Tages verbrachten wir im Stadtteil Minato-Ku (港区), genauer im Viertel Roppongi (六本木). Der Weg dorthin führte uns am Zojo-Ji und dem Tokyo Tower (東京タワー) vorbei. Roppongi ist das Vergnügungsviertel Tokyos und dementsprechend laut und bunt. Wir suchten uns ein Restaurant fürs Mittagessen, in dem Nudeln in würziger Brühe serviert wurden. Zum Nachtisch gabs Mandelpudding und Milch-Wackelpudding. Richtung Norden ging es weiter auf den Aoyama-Friedhof. Während der Kirschblüte nach dem Ueno-Park die zweit beste Adresse. An den Aoyama-Friedhof schließt sich der Jingu-Park an. In ihm befinden sich ein Rugby-, ein Baseball- und das Nationale Stadion. Auf den freistehenden Akasaka-Palast (geihinkan 赤坂迎賓館) konnten wir nur einen Blick durch das Tor werfen. Auf dem Rückweg sahen wir uns noch den Hie-Jinja (日枝神社) an und liefen durch eine Art Regierungsviertel mit Sitz der Ministerien, des Premierministers und des obersten Gerichtshofes. Im Hotel angekommen schlug sofort der Jetlag wieder zu und wir fielen nacheinander ins Bett.

Der zweite Tag in Tokyo begann um 7 Uhr mit Frühstück im Hotel. Für Â¥315 gibt es Kaffee, Tee, Toast und Marmelade bis zum umfallen. Wir stiegen wieder in die U-Bahn, diesmal Richtung Nord-Ost dem Stadtteil Taito-Ku (台東区) mit dem Viertel Asakusa (浅草). Durch das Kaminarimon-Tor traten wir auf die Nakamise-Dori, eine Einkaufsstraße im etwas traditionelleren Stil, welcher aber nicht über die Gewinnerzielungsabsichten durch Touristen hinwegtäuschen kann. Am Ende der Straße liegt der Sensō-Ji (金龍山浅草寺) und der Asakusa-Jinja (浅草神社). Der Dembō-In war leider gesperrt und von hohen Mauern umgeben. Nächster Punkt auf unserer Liste war der Ueno-Park (上野). Zuerst wollten wir jedoch einen Happen essen und hielten uns an die Empfehlung des Lonely Planet. Die Suche gestaltete sich schwierig, weil wir uns plötzlich in einem sehr engen Einkaufsviertel befanden, das stark an einen Jahrmarkt erinnerte. Nach einigem Suchen fanden wir das Ueno Yoba Soba und nahmen ein erneutes Nudel-Suppen-Mittagessen zu uns (morgen ist wieder Sushi an der Reihe). Durch kleine Gässchen und Straßen liefen wir Richtung Norden auf Akihabara Eletric Town (秋葉原電気街) zu. Dort reiht sich ein Elektronik-Geschäft an das andere, eines lauter und bunter als das vorherige. Verkauft wird alles vom Handy über PC und Spiele bis hin zu Waschmaschinen. Wir trauten uns in eine ‚Spielhölle‘, auf sieben Etagen gab es die unterschiedlichsten Spielautomaten. Angefangen bei Automaten zum Kuscheltiere fischen, dann Fußball-Spiele (gerne auch gegeneinander), Shooter und Weltraumspiele. Aber nicht wie man denken mag, vor einem Spielautomaten stehend, mit Joystick in der Hand und Finger auf der Taste… nein, in bequemen Sesseln sitzend, wie zu Hause an der Spielekonsole, mit großem Bildschirm und themenabgestimmter Umgebung (die Weltraumspiele spielte man in einer Kapsel sitzend). Durch die Straßen Tokyos schlenderten wir zurück zum Hotel. Um nicht weiter in die Jetlag-Falle zu tappen, setzen wir uns in das Café im Erdgeschoss unseres Hotels, schrieben Text und bearbeiteten Bilder. Am Abend machten wir uns wieder auf die Jagd nach Essen und mußten feststellen, dass nicht in jedem Mc Donalds Englisch gesprochen wird.

Am nächsten Morgen fuhren wir mit der U-Bahn in den Stadtteil Shinjuku-Ku. Dort besichtigten wir den Shinjuku-Koen, welcher mit dem Titel ‚National-Garten‘ versehen ist. Auch hier wurde jede der ersten verfügbaren Kirschblüten mit ausreichend Fotografen versorgt. Wir verließen den Park Richtung Süden und liefen durch das Viertel Sendagaya. Im Stadtteil Shibuya-Ku (渋谷区) angekommen, liefen wir durch den Yoyogi-Park (代々木) und bewunderten den Meiji-Jingu (明治神宮). Der Bahnlinie folgend tauchten wir tiefer in Shibuya ein und kamen schließlich am Hachiko-Square an.

Hachiko-Square

  • Hachiko begleitete treu sein Herrchen jeden Morgen von der Haustür bis zur U-Bahn-Station und holte ihn am Abend wieder ab
  • eines Abends kehrte sein Herrchen jedoch nicht zurück und Hachiko wartete treu bis an sein Lebensende, wofür ihm ein Denkmal gesetzt wurde
  • der Hachiko-Square ist eine Diagonalquere, bei der der Verkehr komplett gestoppt wird und alle Fußgänger gleichzeitig Grün bekommen

Die Menschenmassen zu beobachten, hat uns sehr viel Spass gemacht und es sind einige interessante Aufnahmen dabei entstanden. Das Mittagessen nahmen wir in einem der zahlreichen Kaufhäuser im 8. Stock zu uns. Super Sushi zu einem erschwinglichen Preis. Nach einem Kaffee im Starbucks ‚über‘ (im 1. Stock) der Kreuzung machten wir uns auf den Weg Richtung Roppongi. Dort wollten wir die Abendatmosphäre genießen und den Tokyo Tower bei Nacht anschauen, auch dem Zojo-Ji statteten wir noch einen Besuch ab. Zurück gönnten wir uns die U-Bahn und verbrachten den Abend wieder mit Texte schreiben und Photos bearbeiten. Alle drei Tage in Tokyo hatten wir Sonne, leichten Wind und Temperaturen bis zu 22°C. Morgen geht es nach einem Zwischenstop in Nagoya weiter nach Takayama, wo wir 2 Nächte bleiben werden.

Hotel in Tokyo:

  • Sakura Hotel Kanda-Jimbocho
  • Twin-Room für 7980Â¥ pro Nacht für 2 Personen (5% Online-Reservierungs-Rabatt)
  • Frühstück für 315Â¥ (Kaffee, Tee, Toast, Marmelade, Tassensuppe)
  • sehr zentrumsnah, U-Bahn-Station Jimbocho in der Nähe (4 Minuten Fußweg)
  • nette, englisch sprechende Staff, freies Internet (W-LAN)
  • Yukata, kleines Handtuch, Latschen inklusive, Etagentoilette und -dusche




















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