USA :: Yellowstone

Die Fahrt in den Yellowstone National Park gestaltete sich mit ca. 820km wieder etwas länger. Anfangs kamen wir gut voran und die Ansichten des weiten Landes waren auf jeden Fall mal was anderes. Links und Rechts nur Felder, Wiesen, Hügel und ab und zu mal ein Haus oder Gehöft. Im Internet hatten wir uns vorher über das Wetter in Yellowstone informiert und wussten, dass die Temperaturen etwas sinken würden. Im Klartext: es waren 20°F (-7°C) und Schneeschauer vorausgesagt. Schon während der Fahrt sanken die Temperaturen immer weiter. Der Yellowstone liegt übrigens in den Rocky Mountains, weswegen wir die folgenden Tage einige Meter über  dem Meeresspiegel verbringen sollten.

Auf dem Weg zum Yellowstone durchquerten wir die Big Horn Mountains und auch da sahen wir wieder eine sehr reizvolle Landschaft. Erst ging es hoch bis auf 2733m und in dicken Nebel. Über den Wolken war das Wetter etwas besser, bis wir dann wieder in und unter die Wolken kamen und es wieder regnete. An einem schönen Tag wäre die Aussicht sicher phänomenal gewesen.

Ãœber den East Entrance fuhren wir in den Yellowstone National Park hinein. Ohne den Annual Pass ($80 pro Jahr – wieder vielen Dank an Onkel M.!) kostet der Eintritt für ein Auto $25. Die Temperaturen sanken weiter bis auf 44°F (7°C) und das Wetter wurde nicht besser. Dafür waren die Aussichten von den verschiedenen Haltebuchten, die regelmäßig am Straßenrand auftauchen, sehr schön. Auf Photos kann man das leider nicht alles festhalten. In einer Hinsicht waren wir allerdings etwas überrascht, denn wir hatten dichte, grüne Wälder erwartet, sahen aber über große Flächen abgestorbene, kahle Bäume. Zum Großteil wurden die Bäume durch Feuer vernichtet, aber es mag auch andere Gründe geben. Wir steuerten auf unser erstes Nachtlager, den Campground in Bridge Bay (2373m) zu. Die letzten Meilen führten uns entlang des Yellowstone Lake. Am Zeltplatz angekommen, checkten wir ein und wurden eingewiesen, denn auf allen Zeltplätzen gelten besondere Vorsichtsmaßnahmen, um Bären und andere Wildtiere fernzuhalten. Dazu gehören:

  • alle Dinge mit Geruch, egal ob neu, alt, sauber, dreckig, leer oder voll
  • zu keiner Zeit dürfen diese Dinge im Zelt ob Tag ob Nacht gelassen werden; ausser sie sind gerade in Benutzung
  • dazu gehören vor allem: Nahrungsmittel, Wasser- oder Getränkebehälter, Tierfutter, Kosmetika, Spülschüsseln, dreckiges Spülwasser und vieles mehr
  • der wichtigste Ausspruch während unserer ersten Belehrung über das Verhalten im Bear Country:

Bears looove Toothpaste. (Bären lieben Zahnpasta.)

Da es schon recht spät war, hielten wir noch kurz an einem General Store und kauften uns Würstchen und Brot, um es später über dem Feuer zu grillen. Ein Feuer zu entfachen, erwies sich dann als sehr schwierig, was zum Teil am nicht wirklich trockenen Holz (Box $7) gelegen haben mag, eventuell auch an den frostigen Temperaturen und den zeitweise einsetzenden Schneeschauern. Zu diesem Zeitpunkt revidierten wir unsere Annahme, zuviel Kleidung mitgenommen zu haben. Wir wurden eher von den unter null Grad liegenden Temperaturen im wahrsten Sinne des Wortes kalt erwischt, denn Anfang September hatten wir nicht damit gerechnet.Trotz des Wetters und der wilden Tiere, entschlossen wir uns, im Zelt zu schlafen. Unsere Thermomatten und Schlafsäcke hielten uns warm, wenn wir auch lange Hosen, Socken und Pullis trugen. Das lag natürlich auch an den heißen Steinen. Trotz des eher rauchenden als wärmenden Feuers waren wir auf die Idee gekommen, Steine darauf anzuwärmen und diese in einem Stoffbeutel mit ins Zelt zu nehmen. Sie rochen zwar etwas, gaben aber sehr lange die gespeicherte Wärme ab.

Der nächste Morgen (Dienstag) war immer noch bitterkalt und das Kondenswasser innen am Aussenzelt war gefroren. Dafür sahen wir gleich neben uns eine Gruppe Hirsche und hatten einen super Blick auf den Yellowstone Lake mit Sonnenschein. Das Zelt war wieder schnell abgebaut und wir machten uns auf den Weg zu unserem zweiten Zeltplatz in Canyon Village (2357m). Auf dem Weg dahin besichtigten wir die ersten heißen Geysire (Mud Volcano, Sulphur Caldron) und werden uns immer an den Schwefelgeruch erinnern. Wir sahen uns auch die Upper und Lower Falls an, welche uns an die Niagara Fälle erinnerten. Der Zeltplatz in Canyon Village war etwas besser ausgestattet als der erste (Duschen, Waschmaschinen, etc.) und wir hatten einen Platz nicht ganz so weit entfernt vom Hauptgebäude. Für die Services (Tankstelle, Post, Gaststätte, etc.) mussten wir nur über die Straße laufen und waren da. Nachdem wir das Zelt aufgestellt hatten, liefen wir hin, um zu sehen, was es so alles gibt und blieben an der Canyon Lodge hängen. Es war gerade Mittagszeit und wir kehrten zum Mittags-Buffet ein ($12,95 pro Person inkl. Getränke und Salatbar). Gesättigt wollten wir zum Cascade Lake wandern, wurden aber dann von unseren Bedenken bezüglich der Bären übermannt und liefen nur ein Stück, um dann umzukehren und Feuerholz zu sammeln. Das nächste Mal reicht der Mut hoffentlich weiter. Das Wetter war den ganzen Tag sonnig, die Temperaturen aber nur direkt in der Sonne warm. Auf dem Rückweg zum Zeltplatz sammelten wir Feuerholz und begannen diesmal auch früher mit dem Feuerentfachen. Der gekaufte Magnesiumblock (nachdem das mitgebrachte Feuerzeug seinen Dienst versagte, $9,99) wirkte am zweiten Abend etwas besser und das Feuer brannte schnell. Unser gesammeltes Holz reichte den ganzen Abend und wir saßen bei Brot und Würstchen bis neun Uhr am warmen Lagerfeuer. Danach krochen wir nach Katzenwäsche ins Zelt. Auch am zweiten Abend mit unseren Hot Stones.

Der Mittwoch-Morgen begann wie immer gegen sieben Uhr mit leichten Schneeschauern und bedecktem Himmel. Wir gingen zuerst duschen, um uns aufzuwärmen ($3,25 pro Person). Danach bauten wir das Zelt ab und fuhren weiter zu unserem nächsten Schlafplatz in Mammoth (1902m). Auf dem Weg dahin gab es am Straßenrand wieder etliche Haltepunkte, welche wir auch ausgiebig nutzten. Dazu gehörten der Tower Fall, Floating Island Lake, Phantom Lake, die Wraith Falls und die Undine Falls. In Mammoth angekommen, sicherten wir uns zunächst unser Nachtlager. Den Zeltplatz in Mammoth kann man nicht buchen, es gilt: First come, first serve (wer zuerst kommt…). Auf Grund der Wettervoraussage (Regen, kalt) entschieden wir uns für eine Cabin ohne Bad ($81,75 pro Nacht). Eine Cabin befindet sich in einem einfachen Holzhaus, dass in zwei Cabins mit separaten Eingängen geteilt ist. Ein einfaches Zimmer mit zwei Betten, einem Waschbecken, Schrank und Tisch. Die Duschen und Toiletten wie auf dem Zeltplatz nicht weit entfernt. Da das Wetter noch zu wünschen übrig blieb, fuhren wir aus dem National Park hinaus nach Gardiner (5 Meilen), um mal wieder ins Internet gehen zu können. Inzwischen heiterte es auf und nach unserer Rückkehr in den Park schauten wir uns die Upper und Lower Terraces an. Auf diesen findet man heiße Quellen und deren Mineralablagerungen in allen Formen und Farben. Wir liefen alle möglichen Wege ab. Leider sind einige dieser Quellen vor Jahrzehnten versiegt und man sieht nur noch das übrig gebliebene Gestein. Man kann allerdings nie sagen, ob eine Quelle für immer versiegt ist oder bald wieder sprudelt. Die Sonne zeigte sich immer öfter und es wurde auch wärmer. Am Abend genossen wir die Wärme unserer Cabin, welche über einen kleinen Heizer verfügte. Wir spannten aus und bereiteten uns auf die nächste Zeltnacht vor. Am nächsten Morgen (Donnerstag) ging es weiter nach Madison (2091m), welches am nächsten zum westlichen Parkeingang und somit auch westlich auf dem Grand Loop liegt. Auf dem Weg gab es wieder einiges zu sehen und wir hielten regelmäßig an. Wir versuchen , alles was geht, zu laufen, sind aber bestimmt in dieser Hinsicht schon etwas ‚amerikanischer‘ geworden. Zuerst lag der Roaring Mountain auf unserem Weg. An dieser Stelle sei bemerkt, dass eigentlich der ganze Yellowstone Park auf einem thermal aktiven Bereich liegt, was uns in den folgenden zwei Tagen noch einmal bewusster wurde. Eine Runde auf den typischen Holzwegen drehten wir als nächstes zwischen den Geysiren des Norris Geysir Basin. Dieses ist unterteilt in das Porcelain Basin und das Back Basin. Um uns noch etwas mehr zu bewegen, denn das Essverhalten lässt in letzter Zeit aus mehreren Gründen etwas zu wünschen übrig, parkten wir eine Meile entfernt und folgten einem Trail (Wanderweg) durch den Wald. Insgesamt umfasste diese Runde dann knapp 4 Meilen. Noch mehr Meilen sammelten wir bei der Runde durch das Monument Geysir Basin, bevor wir nach Madison durchfuhren. Aufgewacht waren wir mit Sonnenschein, bis zum Nachmittag hatten sich Wolken davor geschoben und wir zündeten zeitig unser Lagerfeuer an. An diesem verbrachten wir den restlichen Abend und heizten zum Schluss die Steine auf.

Nachts ziehen die Temperaturen immer wieder ordentlich an. Also wachten wir morgens (Freitag) zwar wieder mit strahlendem Sonnenschein, aber eiskalten Temperaturen auf (-4°C). Das Auto lief, um uns aufzuwärmen und wir werden immer geübter im Zeltauf- und -abbau. So waren wir bereits um halb Neun auf der Straße und gehörten damit zu den Ersten. Die Landschaft dankte es mit tollen Eindrücken. An diesem Morgen bekamen wir auch eine Antwort auf unsere bereits mehrmals gestellt Frage, ob man in den ganzen warmen Quellen auch baden darf. Ja, es gibt eine Badestelle am Firehole River, wenn man den Firehole Canyon Drive nimmt. Der Firehole River wird immer wieder von heißen Quellen gespeist und ist klar, wie es Bergflüsse meist sind. Bei höheren Temperaturen wären wir bestimmt mal hineingewatet, aber da wir immer noch unseren Atem sahen, beließen wir es beim Fingereintauchen. Den ersten Gang des Tages machten wir durch die Fountain Paint Pot Area. Ein Kilometer, der sich gelohnt hat. Doch leider waren wir inzwischen wieder etwas mehr Höhenmeter dazugekommen und wir steckten im Nebel. Deswegen keine Photos, was aber die restlichen Geysire ausgleichen sollten. Danach nahmen wir den Firehole Lake Drive mit noch mehr Geysiren. Wir hatten das Glück, unseren ersten Ausbruch live am White Dome Geyser zu erleben. Was allerdings nicht so einfach ist, denn mit dem Wasser kommt ja auch eine Menge Dampf aus dem Geysir und das behindert immer etwas die Sicht. Trotzdem war es sehr interessant und wir sollten an diesem Tag noch drei andere Ausbrüche sehen. Bevor wir Old Faithful erreichten, unsere letzte Station im Yellowstone Park, hielten wir noch am Biscuit Basin. Seinen Namen hat dieses Gebiet auf Grund der Ablagerungen im Sapphire Pool, welche aussahen wie Biskuits, bevor sie 1959 durch ein Erdbeben zerstört wurden. Der Sapphire Pool (mein persönlicher Favorit) ist der am schönsten in blau leuchtende im Park (was ich definitiv bestätigen kann). Angekommen in Old Faithful konnten wir schon unsere Cabin (ohne Bad, $68,70) beziehen und Mittagessen im Old Faithful Inn (Buffet, $13 pro Person) einnehmen. Auf dem Weg zum Mittag hielten wir am berühmten Old Faithful Geyser, welcher regelmäßig alle 92 Minuten seine Fontäne bis zu 55m in die Luft schleudert. Nach dem Mittagessen bestiegen wir als erstes den Observation Point (525m höher als das Umland), um uns einen Ãœberblick zu verschaffen. Wir stiegen auf der anderen Seite wieder ab und liefen die Rundwege um die Geysire in Old Faithful. Bis hin zum Morning Glory Pool, welcher auch recht bekannt ist. Wir schafften es auf stolze 10km und hunderte Photos, von denen die besten wie immer unten zu sehen sind. Wir gingen ausgiebig den ganzen ‚Campingschmutz‘ und Lagerfeuergeruch abduschen und machten uns einen gemütlichen Abend in der warmen Cabin. Wir haben uns wieder für eine kleine Routenänderung entschieden, um einen Tag mehr im Yellowstone Park verbringen zu können. Morgen fahren wir nicht nur bis nach Idaho Falls, sondern gleich bis nach Salt Lake City. Unterwegs durchqueren wir noch den Grand Teton National Park, wenn schon, denn schon. ;) Der Bericht dazu findet ihr dann bei Salt Lake City.
























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